Avast sammelt acht Petabyte Nutzerdaten und verkauft diese zu Werbezwecken
Wer den kostenlosen Antivirus von Avast im Einsatz hat, sollte das vielleicht noch einmal überdenken. Die britischen Entwickler haben es nämlich faustdick hinter den Ohren. Acht Petabyte Nutzerdaten hat man gesammelt und häppchenweise verkauft.

Als ich noch mit einem Windows-PC unterwegs war, gehörte ein Antivirus zur Grundausstattung. Bevor ich auf den Defender von Microsoft umgestiegen bin, hatte ich jahrelang die Software von Avast im Einsatz. Der Scanner brauchte nicht viele Ressourcen, war kostenlos und hatte eine gute Erkennungsrate.
Doch vor allem beim Punkt „kostenlos“ sollte man eigentlich stutzig werden. Wenn ein Produkt im Internet nichts kostet, wird man meist selbst zum Produkt. Man bezahlt mit seinen persönlichen Daten. So auch im Fall von Avast. Wie Anfang des Jahres bekannt wurde, haben die Briten gut zehn Jahre lang Nutzerdaten gesammelt und diese zu Werbezwecken weiterverkauft.
Browserdaten sind ein lukratives Geschäft
Für einen Anbieter von Sicherheitssoftware sind solche Nachrichten natürlich fatal. Bei Avast lief das Ganze laut dem Portal BleepingComputer so ab: Ohne Zustimmung des Nutzers hat man die Browserdaten inklusive der besuchten Webseite und der Verweildauer gespeichert. Außerdem hat man auch die Daten des Standorts abgegriffen.
Nach Nutzern sortiert gingen die fertig geschnürten Datenpakete dann die Firma Jumpshot, einem Tochterunternehmen von Avast, wo man sich ausschließlich um die Vermarktung und den Verkauf der Daten kümmerte. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2015 hat man bei Jumpshot satte acht Petabyte (entspricht 8.000 Terabyte) an Daten gesammelt – und gewinnbringend verkauft.
FTC will Geldstrafe verhängen
Die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) hat das Vorgehen von Avast nun angemahnt und eine Strafzahlung von knapp 17 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Zudem soll das Sammeln und Verkaufen der Nutzerdaten künftig unterbunden werden. Auch die kostenfreie Weitergabe der Datenpakete will die FTC Avast verbieten.
Wie heise berichtet, hat Avast sein Tochterunternehmen Jumpshot mittlerweile geschlossen. Außerdem verfasste Avast-CEO Ondrej Vlcek einen offenen Brief an seine Kunden, in dem er sich für den Verkauf der Nutzerdaten entschuldigte:
- „Als CEO von Avast fühle ich mich persönlich verantwortlich und möchte mich bei allen Beteiligten entschuldigen. Der Schutz der Menschen hat für Avast oberste Priorität und muss in allem verankert sein, was wir in unserem Unternehmen und in unseren Produkten tun. Alles Gegenteil ist inakzeptabel. Aus diesen Gründen habe ich – gemeinsam mit unserem Vorstand – beschlossen, die Datenerfassung durch Jumpshot zu beenden und den Betrieb von Jumpshot mit sofortiger Wirkung einzustellen.“
Jetzt stellt sich die Frage, inwieweit das Browserdaten-Gate das Vertrauen der Kunden in die Sicherheitssoftware des Unternehmens erschüttert hat – und wie man es wieder aufbauen will.
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