iPhone 7: Kameraabdeckung und Homebutton bestehen nicht aus richtigem Saphirglas
Eine ausführliche Untersuchung zeigt, dass Apple trotz anders lautender Werbebehauptungen keine richtigen Saphirglasscheiben bei den aktuellen iPhones verbaut. Das betrifft auch den neuen Homebutton und sogar auch die Glasabdeckungen der Kameras bis zurück zum iPhone 6. Stattdessen setzt Apple eine spezielle Mischung ein, die stark mit Kohlenstoff versetzt ist und daneben auch etwas Silizium enthält. Diese chemische Zusammensetzung sorgt für eine deutlich geringere Kratzfestigkeit als man es von richtigem Saphirglas kennt, welches nur aus Aluminiumoxid besteht.
Erinnert Ihr Euch an den Kratztest der neuen iPhone-Generation vor einigen Wochen? Apple gibt bekanntlich an, dass der Homebutton und die Kameraabdeckung aus Saphirglas bestehen. Doch ein Kratztest zeigte sehr deutlich etwas Anderes. Schon bei der Mohshärte 6, was unter der Härte von Quarzglas liegt, zeigten sich mit einer Prüfspitze dieser Härte Kratzer auf dem Homebutton und der Kameraabdeckung. Zwar behauptete Apples Marketingchef Phil Schiller, dass die beiden Bauteile aus Quarzglas bestehen, doch ein derartiger Unterschied in der Härte passt damit nicht zusammen.
Nun gibt es von JerryRigEverything, welcher den ersten Kratztest durchführte, eine deutlich genauere Untersuchung der Glaszusammensetzung. Als erstes wurde das Saphirglas einer Armbanduhr einem Kratztest unterzogen und die Kratzer dann unter einem Mikroskop verglichen. Das Saphirglas der Armbanduhr wurde erst bei einer Mohshärte von 8 zerkratzt, was bei ausreichend Druckkraft pro Fläche und einer Zugbewegung durchaus normal ist, da auf die Glasoberfläche auch Zugkräfte ausgeübt werden, welche diese aufgrund der Sprödigkeit nicht aushält und daher aufreißt. Dafür müssen die Härten aber schon annähernd gleich sein, was bei Mohshärte 6 und 7 nicht annähernd gegeben ist. So gleiten auch die Kratzstifte mit diesen Härten spurlos über die Saphirglasscheibe der Armbanduhr.
Keine richtige Saphirglasscheibe
Eine mikroskopische Untersuchung zeigt, dass die Kratzer auf dem richtigen Saphirglas der Armbanduhr ganz anders aussehen, als die auf der Glasabdeckung der rückseitigen Kamera. Der mit Mohs 8 angegebene Kratzstift hat die Glasoberfläche der Armbanduhr richtig zerkratzt und aufgerissen, bei der Glasabdeckung hat der vergleichsweise weiche Kratzstift mit Mohs 6 die Oberfläche jedoch mehr eingedrückt als zerkratzt. Der Effekt erinnert an Kratzer von Eloxalbeschichtungen von Alumniumgehäusen. Zwar ist die Eloxalschicht aus Aluminiumoxid mit Mohs 9 extrem hart, jedoch ist das Aluminium darunter weich und gibt bei zu großem Druck nach, sodass auch die Eloxalschicht bricht.
Außerdem stellte Jerry fest, dass die Rückseite der Kameraabdeckung noch leichter zerkratzt, ähnlich wie das Gorillaglas des Displays. Das deutet auf eine oberflächliche Saphirbeschichtung eines mehr oder weniger gewöhnlichen Glases oder ein verunreinigtes Saphirglas, welches aufgrund dieser nicht mehr so hart ist. Als weitere Untersuchung kam als erstes die sogenannten Röntgen-Fluoreszenz-Methode zum Einsatz, mit deren Hilfe man das Vorhandensein von chemischen Verbindungen nachweisen kann. Hier zeigte sich, dass die Vorderseite der Glasabdeckung eindeutig Aluminiumoxid enthält, also die Verbindung aus der Saphir besteht. Zusätzlich wurde jedoch das Vorhanden sein von Kohlenstoff festgestellt, dessen Anteil in einer nachfolgenden Untersuchung auf 9,4% bestimmt wurde.
Auf der Unterseite der Glasabdeckung wurde hingegen eine extrem dünne Schicht von Silizium und Niob festgestellt, welche wohl die optischen Eigenschaften verbessern sollen. Ein ganz anderes Bild bietet sich jedoch bei der echten Saphirglasscheibe der untersuchten Armbanduhr. Diese hat als chemische Bestandteile ausschließlich Aluminium und Sauerstoff, aus denen Aluminiumoxid bzw. Saphir besteht.
Damit dürfte eindeutig nachgewiesen sein, dass Apple entgegen anders lautender Werbebehauptungen keine richtigen Saphirgläser einsetzt. Eigentlich könnte die exakte chemische Zusammensetzung für den Nutzer auch völlig egal sein, jedoch hat es in diesem Falle große Auswirkungen auf die Kratzfestigkeit, die wiederum auch im Alltag eine Rolle spielen können. Es betrifft dabei auch die iPhones der letzten Jahre bis zurück zum iPhone 6, so die Testergebnisse von JerryRigEverything.
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