Katastrophenwarnung über Smartphone: Cell Broadcast noch dieses Jahr?
Noch in diesem Jahr soll mit Cell Broadcast eine Katastrophenwarnung über das Smartphone in Deutschland Einzug halten.

Die Bilder der jüngsten Flutkatastrophe in Deutschland, durch die in weiten Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine ungeheure Zerstörungswucht durch viele Orte zog, sind noch immer präsent. Hunderte Menschen verloren ihr Leben, ganze Ortschaften sind dem Erdboden gleichgemacht. Viele Menschen stehen heute vor den Scherben ihrer Existenz.
Wie so oft, starten bereits kurze Zeit nach einer Katastrophe die Schuldzuweisungen. Eins steht fest: Mit einem funktionierenden Frühwarnsystem hätten sich viele Opfer sicherlich rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Mit Cell Broadcast soll in Deutschland noch in diesem Jahr ein System eingeführt werden, welches es in seiner Form bereits seit einigen Jahren in vielen anderen Ländern gibt.
Cell Broadcast über Mobilfunk
Deutschland will sich noch in diesem Jahr an das Warnsystem Cell Broadcast anschließen, so der Bundesinnenminister Horst Seehofer. Bereits seit 1999 findet die Technik in allen bisherigen Mobilfunkstandards Anwendung. In Ländern wie Rumänien, Griechenland, Niederlande, USA oder Japan kommt dieses System bereits seit Jahren zum Einsatz.
In Deutschland wurde sich bewusst für eine alternative Lösung via App wie Katwarn oder Nina entschieden. Allerdings konnten diese Lösungen lediglich in der Theorie überzeugen. Gerade einmal zehn Prozent aller Smartphone-Besitzer haben eine der Anwendungen auf ihrem Gerät installiert. Teilweise erfolgten die Warnungen über eine App sogar gar nicht oder viel zu spät.
Wie funktioniert Cell Broadcast?
Das dahinterstehende System ist so simpel wie genial. Cell Broadcast (oder SMS-CB) schickt an alle Smartphones einer Mobilfunkzelle Warnmeldungen. Dabei lässt sich der Dienst auf Bundes- als auch Landesgrenzen oder sogar auf einzelne Regionen beschränken. Da auch die neueste Mobilfunktechnik auf den CB-Standard eingestellt ist, wird für den Empfang keine gesonderte App benötigt.
Die Push-Up-Nachrichten werden auf iPhones, Android-Telefone und sogar abgespeckte "Rentner-Telefone" verschickt. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der Empfang von SMS zugelassen ist, die Mitteilungen kommen dennoch an. Begleitet wird die Nachricht mit einem speziellen Alarmton, sodass der Nutzer auch akustisch auf die Mitteilung hingewiesen wird.
Bundesinnenminister Seehofer geht derweil voran und betont, dass es noch in diesem Jahr möglich wäre, Cell Broadcast einzuführen. Derzeit laufen entsprechende Machbarkeitsstudien, die noch vor der Bundestagswahl vorliegen sollen. Und auch wenn das Vorhaben nicht auf Zustimmung aus allen Ministerien stieße, sei Seehofer entschlossen, Cell Broadcast in Deutschland einzuführen.
Ersten Schätzungen zufolge dürften sich die Gesamtkosten für dieses Projekt auf ca. 30 Millionen Euro belaufen. Höchstwahrscheinlich wird die Deutsche Telekom bei diesem Projekt den Hut aufhaben.
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