App Store: Apple lockert Richtlinien
Apple hat in Absprache mit US-Entwicklern Anpassungen an den Richtlinien des App Stores vorgenommen. Damit reagiert das Unternehmen unter anderem auf die anhaltende gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Spielehersteller Epic Games.

Die Kritik am Ökosystem von Apple hat in den letzten Woche nicht nachgelassen. Rund um den Globus entfachen Auseinandersetzungen mit teils namhaften Parteien. Kern der Auseinandersetzungen sind die angeblich zu hohen Provisionen für Apple und dass In-App-Käufe an das Bezahlsystem von Apple gebunden sind.
Möglicherweise erfolgte die nun erzielte Einigung zwischen dem iPhone-Hersteller und US-Entwicklern aus dem einfachen Grund, dem Gericht einer mögliche Entscheidung im Zusammenhang mit einer Sammelklage aus dem Jahr 2019 zu Lasten von Apple zuvorzukommen. Teile der geänderten Richtlinien beziehen sich vorerst nur auf den amerikanischen Markt.
Den geänderten Richtlinien zufolge, dürfen Unternehmen ihre Kunden ab sofort darauf hinweisen, wie sie ihre Dienstleistungen auch am Bezahlsystem von Apple vorbei begleichen können. Wer darüber hinaus am "News Partner Programm" teilnimmt und seine Inhalte gleichzeitig für Apple News bereitstellt, profitiert in Zukunft außerdem von niedrigen Gebühren im App Store. Die sonst übliche Provision auf In-App-Käufe von 30 Prozent wird in diesen Fällen auf 15 Prozent reduziert.
News Partner Program
Mit dem ins Leben gerufenen News Partner Program sieht sich Apple als Förderer des qualitativ hochwertigen Journalismus. Zeitschriften und Zeitungen sollen von einer gesenkten 15-Prozent-Provision profitieren, müssen dabei jedoch eine Voraussetzung erfüllen.
Nachrichtendienste müssen im Gegenzug eine ständige Präsenz in den Apple News garantieren und all ihre Inhalte im Apple News Format präsentieren. Da Apple News nur in den USA, Großbritannien, Kanada und Australien verfügbar ist, müssen Verlage anderer Länder einen RSS-Feed anbieten, um in den gleichen Genuss zu kommen.
Damit reagiert Apple auf die anhaltende Kritik aus der Medienbranche. Mit den immens hohen Gebühren wären sämtliche Nachrichtendienste zum Schalten von Werbeanzeigen gezwungen.
Phil Schiller, verantwortlich für den App Store, zeigt sich über die neueste Entwicklung mehr als zufrieden:
"Von Anfang an war der App Store eine wirtschaftliche Lokomotive; er ist der sicherste und vertrauenswürdigste Ort für Nutzer:innen, um Apps zu bekommen und bietet Entwickler:innen unglaubliche Geschäftsmöglichkeiten, um ihre Innovationen und ihr Wachstum voranzutreiben [...] Wir möchten den Entwickler:innen danken, die mit uns zusammengearbeitet haben, um diese Vereinbarungen zur zu erreichen, die die Ziele des App Store unterstützen und von denen alle unsere Anwender:innen profitieren.“
Die Maßnahmen im Überblick
Die Einigung beinhaltet eine Reihe von Punkten, die vor allem auch kleinere Entwickler unterstützen sollen.
So führt Apple das "App Store Small Buisness Program" nach dem jetzigen Modell für mindestens drei Jahre weiter. Hiervon profitieren Unternehmen, deren Jahresumsatz weniger als eine Million US-Dollar beträgt. Für diese Unternehmen wird die Provision für In-App-Käufe weiterhin von 30 auf 15 Prozent reduziert. Alle anderen Unternehmen müssen weiterhin die vollen 30 Prozent zahlen.
Ebenfalls für mindestens die nächsten drei Jahre wird das derzeitige System zum Suchen und Finden von Anwendungen im App Store beibehalten. Die Suchergebnisse werden somit weiterhin anhand von objektiven Merkmalen bestimmt.
Entwickler dürfen zukünftig Informationen an ihre Kunden verteilen, in denen diese auf andere Bezahlsysteme außerhalb des Apple-Ökosystems hingewiesen werden. Die Nutzer müssen ihre Zustimmung erteilen, dass sie derartige Mitteilungen erhalten möchten und könne diese auch nachträglich wieder zurücknehmen.
Die für Entwickler zur Verfügung stehenden Preispunkte werden von weniger als 100 auf mehr als 500 erhöht. Die Entwickler können ihre Preise nach wie vor selbst festlegen.
Das Einspruchsrecht für Entwickler im Falle von angeblich zu unrecht abgelehnten Apps wird beibehalten. Das Einspruchsverfahren soll den Entwicklern näher erläutert werden. In diesem Zusammenhang hat sich Apple außerdem dazu bereiterklärt einen jährlichen Transparenzbericht zu erstellen. In diesem Bericht sollen statistische Erläuterungen zum Überprüfungsprozess von Apps inklusive einer Übersicht zu abgelehnten Anwendungen erscheinen.
Als abrundende Maßnahme wird Apple einen Fonds mit einem Vermögen von 100 Millionen Dollar ins Leben rufen. Der Fond trägt den Namen "Small Developer Assistance Fund" und soll sich an Entwickler richten, die zwischen Juni 2015 und April 2021 mit all ihren Apps weniger als eine Million US-Dollar Jahresumsatz vorweisen können. In diesen Fällen sollen Hilfen zwischen 250 und 30.000 Dollar gezahlt werden. Von dieser Maßnahme profitieren vorerst nur US-Amerikanische Unternehmen.
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