Fotoanalyse auf iPhones: Craig Federighi erläutert das umstrittene Feature
Dass Apple in Zukunft Fotos auf kinderpornografische Inhalte scannen will, ist trotz der guten Absicht weltweit auf große Gegenwehr gestoßen. Der Software-Chef Craig Federighi nahm das zum Anlass, um das Vorgehen gegenüber dem Wall Street Journal näher zu erläutern.

In der Regel tritt Federighi in der Öffentlichkeit auf, wenn Apple seinen Anhängern neue Produkte oder Betriebssysteme präsentieren will. Dass sich der Software-Chef unangenehmen Fragen stellen und eine unternehmerische Entscheidung verteidigen muss, gehört nicht zum Alltag des 52-Jährigen.
Da die kürzlich vorgestellten Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch ebenfalls in die Zuständigkeit des Senior Vice President of Software Engineering fällt, stellte sich der Apple-Manager nun den Fragen von Journalisten und gab weitere Details zu den Überprüfungsmaßnahmen.
Genauere Überprüfung erst ab 30 Treffern
Das Interview mit dem Wall Street Journal (zum YouTube-Video) führte die bekannte Journalistin Joanna Stern. Im Gespräch mit Stern knüpfte Federighi zuerst an den Worten seiner Kollegen an und wiederholte, was andere Apple-Manager bereits in den ersten Tagen nach der öffentlichen Vorstellung zu Protokoll gaben. An einer Stelle gab der Software jedoch tiefergehende Informationen preis.
So kam eine Zahl ans Tageslicht, die im Zusammenhang mit kinderpornografischem Material auf iPhones und iPads eine wichtige Rolle spielt. Wir wissen bereits, dass die Hash-Analyse von Fotos, die in die iCloud geladen werden, nicht direkt beim ersten Fund Alarm schlägt. So muss erst ein bestimmter Schwellenwert überschritten werden, bevor Apple eine Information erhält und weitere Schritte einleiten kann.
Federighi verriet nun, dass dieser Wert bei 30 Bildern liegt. Sofern diese Aussage zutrifft, meldet sich das System nicht zu Wort, wenn sich auf dem Smartphone lediglich 29 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten befinden. Im gleichen Atemzug bedauert der hochrangige Mitarbeiter von Apple, dass es im Zusammenhang mit der Vorstellung zu "Missverständnissen" gekommen sei, die man durch eine bessere Kommunikation hätte vermeiden können.
So hat es Apple versäumt zu betonen, dass eine Überprüfung nur im Zusammenhang mit der iCloud erfolgt und lokal gespeicherte Fotos ansonsten nicht kontrolliert werden.
Federighi wirbt für Verständnis
Im Laufe des Interviews betont Craig Federighi noch, dass Apple mit der Überprüfung seinen Teil zum Kampf gegen Kindesmissbrauch beitragen will und nicht auf Druck von staatlichen Stellen gehandelt habe. Die Foto-Analyse sowie der iMessage-Scan bei Kindern sollen ausschließlich zum Schutz der Kinder beitragen.
Beide Überprüfungen sollen demnach nicht zweckentfremdet werden können. Das System, dessen Kern ein einzige weltweit eingesetzte Hash-Datenbank ist, wurde so erschaffen, dass es nicht für andere Zwecke eingesetzt werden kann. Mehrere Auditing-Ebenen sollen ebenfalls für mehr Sicherheit sorgen.
Auch wenn beispielsweise der genaue Schwellenwert für mehr Transparenz sorgt, so wird auch dieses Interview nicht die zahlreichen Skeptiker und Kritiker überzeugen können.
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