Apple lenkt MacBook-Air-Käufer zum Pro wegen Speicherkrise

Apple hat seine Online-Vertriebsstrategie für das neue MacBook Air M5 ungewöhnlich angepasst. Das Einstiegsgerät ist derzeit so schwer zu bekommen, dass das Unternehmen Interessenten direkt zu einem anderen Produkt weiterleitet. Dieser Schritt geht weit über das hinaus, was man von einem normalen Lieferengpass erwarten würde. Die Ursache liegt tiefer: Eine globale Knappheit bei Speicherchips bringt die gesamte Branche der Unterhaltungselektronik ins Wanken. Betroffen sind nicht nur Apple, sondern praktisch alle Hersteller, die auf herkömmliche Speichermodulen angewiesen sind.
Umleitung zum MacBook Pro
Auf der Apple-Website steht für das MacBook Air M5 nur noch die Option, Geräte nach verfügbarem Lagerbestand zu bestellen. Wer heute bestellt, muss mit Lieferungen bis Ende August 2026 rechnen. Statt diese Wartezeit einfach hinzunehmen, platziert Apple einen auffälligen Hinweis auf der Produktseite, der Kundschaft das 14-Zoll-MacBook Pro nahelegt. Eine derartige Empfehlung, die vom günstigeren zum teureren Modell führt, hat das Unternehmen in dieser Form noch nicht umgesetzt. Der strategische Hintergrund ist der Abbau bestehender Pro-Lagerbestände, bevor die nächste Generation mit dem M6-Chip erscheint. Gerüchten zufolge könnte das künftige MacBook Pro sogar über eine Touchscreen-Unterstützung verfügen, was die Notwendigkeit, die aktuellen Modelle loszuwerden, weiter erhöht.
Speicherkrise belastet Branche
Die eigentliche Ursache für diese Lieferprobleme trägt in Fachkreisen den Namen RAMageddon. Sie betrifft nicht nur Apple, sondern den gesamten Markt für Consumer-Elektronik. Der Grund dafür liegt in den wachsenden Rechenzentren für künstliche Intelligenz, die einen immer größeren Anteil der globalen DRAM- und NAND-Produktion verschlingen. Chip-Hersteller stellen ihre Fertigungskapazitäten zunehmend auf High-Bandwidth-Memory für Server um, was den Markt für herkömmliche Speicherchips weiter verknappt. Fachleute gehen nicht von einer vorübergehenden Störung aus, sondern von einer strukturellen Engpass-Situation, die noch bis 2029 oder 2030 andauern könnte.
Preisanpassungen seit Juni
Die Führung von Apple hatte die prekäre Lage bereits im Juni erkannt und öffentlich thematisiert. CEO Tim Cook warnte in einem Interview mit dem Wall Street Journal, dass die explodierenden Kosten für Speicherbausteine unweigerlich zu Preiserhöhungen führen würden. Wenige Tage später passte das Unternehmen die Preise bei fast allen Hardware-Produkten entsprechend an.
Preise für Smartphones, Uhren und Kopfhörer blieben bei der Anpassung unverändert. Trotz der spürbaren Lieferengpässe überraschte das Unternehmen in der jüngsten Quartalsabrechnung mit positiven Zahlen. Gleichzeitig warnte die Führung vor weiteren Auswirkungen im kommenden Quartal und kündigte weitere Preisanpassungen an. Das frisch gestartete Ratenzahlungsprogramm Apple Upgrade in Zusammenarbeit mit Klarna könnte die Nachfrage nach Macs zusätzlich ankurbeln, was angesichts des ohnehin schon begrenzten Angebots die Situation weiter verschärfen könnte.
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