Netflix wird verklagt wegen gestohlener Nicolas-Cage-Premiere

Ein Rechtsstreit um die Sicherheit unverschlüsselter Filmkopien hat Netflix vor Gericht gebracht. Der Produzent Simon Afram und seine Produktionsfirma Op-Fortitude werfen dem Streaming-Riesen grobe Fahrlässigkeit vor, nachdem ein physisches Laufwerk mit der finalen Schnittversion des Actionfilms Fortitude aus den eigenen Büroräumen verschwand. Die Kläger sehen in dem Vorfall ein eklatantes Versagen der Sicherheitsvorkehrungen und fordern nun eine enorme Summe als Ausgleich. Während Netflix die Haftung von sich weist und Erpressungsvorwürfe in den Raum stellt, bleibt die Frage offen, ob der Film tatsächlich im Internet gelandet ist.
Filmprojekt und Produktionshintergrund
Der Actionstreifen Fortitude dreht sich um eine wahre Begebenheit aus dem Zweiten Weltkrieg, bei der Doppelagenten einen Hinterhalt für Adolf Hitler planen. Regie führte Simon West, der bereits mit Projekten wie Con Air und Die Legende der Wächter auf sich aufmerksam machte. Eine hochkarätige Besetzung trägt zum Film bei: Neben Nicolas Cage in der Hauptrolle ist auch der britische Schauspieler Sir Ben Kingsley zu sehen. Nach Abschluss der Dreharbeiten suchte Op-Fortitude einen starken Partner für die weltweite Vermarktung der exklusiven Erstverwertungsrechte. Der erste Anlauf ging dabei direkt zu Netflix, das die fertige Vorführversion intern begutachten wollte.
Unverschlüsselte Festplatte und Diebstahl
Laut den Vorwürfen in der Klageschrift instruierte Netflix das Produktionsunternehmen ausdrücklich, die Vorführfestplatte ohne jegliche digitale Verschlüsselung auszuliefern. Der Streamer begründete dies mit dem Wunsch nach einem reibungslosen technischen Abgleich und einer unkomplizierten Wiedergabe in den eigenen Büroräumen. Nach der internen Besichtigung galten klare Absprachen: Netflix sollte alle digitalen Kopien sofort löschen und das physische Laufwerk unverzüglich an Op-Fortitude zurücksenden. Stattdessen vergingen mehr als sieben Tage, ohne dass die Hardware zurückkam. Erst dann räumte Sean Berney von Netflix Original Film ein, dass die Festplatte zusammen mit weiteren Datenträgern aus den Räumlichkeiten gestohlen worden war.
Massive Schadensersatzforderung
Simon Afram und seine Produktionsfirma Op-Fortitude fordern vor Gericht einen Schadensersatz in Höhe von mindestens 112,5 Millionen Dollar. Diese Summe entspricht dem zweieinhalbfachen des eigentlichen Produktionsbudgets von 45 Millionen Dollar. In der Klageschrift wird Netflix vorgeworfen, die ungeschützte Festplatte einfach auf einem offenen Schreibtisch gelassen zu haben, anstatt sie in einem abschließbaren Schrank oder einem sicherheitsüberwachten Bereich zu lagern. Zusätzlich werfen die Anwälte dem Streamer vor, Beweismittel zu vernichten, die interne Untersuchung zu verschleiern und keine offizielle Anzeige bei der Polizei in Los Angeles erstattet zu haben.
Netflix-Verteidigung und Gegenvorwürfe
Der Streaming-Riese wehrt sich energisch gegen die Anschuldigungen. Ein Unternehmenssprecher beteuerte, dass ausschließlich die Datei für Fortitude für potenzielle Diebe lesbar war. Alle anderen entwendeten Laufwerke seien leer gewesen, sodass keine weiteren Filmprojekte gefährdet sind. Netflix wirft den Klägern im Gegenzug Erpressung vor. Der Streamer argumentiert, dass Afram mit einer separaten Forderungshöhe von 165 Millionen Dollar bewusst versucht, das Unternehmen unter Druck zu setzen. Bisher liegen laut Netflix keine Beweise für ein illegales Leak des Films ins Internet vor, wobei der Dienst bekannte Piraterieplattformen aktiv überwacht. Produzent Afram und sein Anwalt Neville Johnson bekräftigten dennoch, dass sie weiterhin an einer seriösen Vertriebspartnerschaft interessiert sind und die Nutzungsrechte noch nicht vergeben wurden.
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