Silicon Valley verliert an Glanz: Apple auf dem Weg zur Dezentralisierung
Das Silicon Valley gilt als weltweites Zentrum der führenden Techindustrie. Unabhängigen Beobachtern zu Folge könnte das Gebiet jedoch seine goldene Ära bereits hinter sich gelassen haben.

Wo früher einst wilde Natur vorzufinden war, bildete sich im 20. Jahrhundert ein Industriepark, der sich mit der Zeit zum einflussreichsten Standort für die IT- und HighTech-Industrie entwickelte. Auf einer Fläche von ca. 4000 km² haben heute die weltweit einflussreichsten Vertreter aus der Branche ihren Hauptstandort im Valley. Dazu zählen unter anderem Apple, Intel, Google, Ebay, Facebook, WhatsApp, Tesla, Oracle oder Cisco.
Über Jahrzehnte war es für Unternehmen das Ziel, im Silicon Valley Fuß zu fassen. Denn nur hier bündelte sich ein enormes Wissen aus der Branche, die Besten aus ihrem Fach zog es in einer Tour zu den Big Playern im Geschäft. Auch heute ist der Erfolg der dort angesiedelten Unternehmen ungebrochen. Mittlerweile beginnen jedoch die ersten Unternehmen damit, ihre Denkweise in Bezug auf die zentrale Ausrichtung zu überdenken.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt haben hochbezahlte Ingenieure und IT-Spezialisten trotz sechsstelligem Jahresgehalt schlicht keine Lust mehr in Wohnheimen oder Zelten zu schlafen. Apple hat die Entwicklung zur Dezentralisierung bereits angestoßen.
Trend zur Dezentralisierung
Eines der Gründungsmitglieder, Hewlett Packard Enterprise, gab kürzlich bekannt, dass sie sich aus dem Valley zurückziehen wird. So schnell das Gebiet gewachsen ist (zwischen 1960 und 1980 entstanden über 200.000 Arbeitsplätze), so langsam konnte sich die komplette Umgebung dem Wachstum anpassen. Das Silicon Valley ist nach wie vor das Aushängeschild in der IT-Branche. An keinem anderen Ort kommen so viele hochtalentierte Köpfe zusammen, um neue Innovationen zu entwickeln.
Das Umfeld kann den Menschen jedoch immer noch kein angemessenen Lebensstandard bieten. Die Mieten in San Francisco und Umgebung entwickeln sich nach wie vor in Sphären, die selbst für topbezahlte Angestellte nur schwer zu stemmen sind. So kommt es nicht selten vor, dass Mitarbeiter in Zeltparks schlafen.
Auch Mark Gurman von Bloomberg griff diese Problematik auf und beleuchtet die Hintergründe, warum Apple, ein paar Jahre nachdem der exorbitant teure Apple Park fertiggestellt wurde, mehr denn je über das Thema Dezentralisierung nachdenkt.
"Apple hat erkannt, dass es nicht länger darauf warten kann, dass die besten Designer und Ingenieure zu seinem Raumschiff ziehen. Es muss dorthin gehen, wo diese Leute heute leben. Apple hat nicht mehr das gleiche rauflustige Gefühl, das es in den frühen Tagen des iPhones hatte. Es ist jetzt das wertvollste Unternehmen der Welt, steht unter dem wachsamen Auge von Kartellbehörden auf mehreren Kontinenten und konkurriert um Talente mit Amazon.com Inc., Google und Netflix Inc.", so Gurman.
Neue Hubs entstehen
Apple verzeichne bereits heute eine starke Abwanderung von Arbeitnehmern, die sich das Leben rund um San Francisco nicht mehr leisten können. Neben den Kosten für das eigene Studium, die nach dem Abschluss meist noch viele Jahre getilgt werden, muss auch mittlerweile der Nachwuchs versorgt und die Altersvorsorge gesichert werden.
Um auf die erschwerte Personalsuche zu reagieren und zukünftig nicht mehr mit Amazon, Google und Co um die gleichen Mitarbeiter buhlen zu müssen, verstärkt Apple bereits seit einigen Jahren den Aufbau eines dezentralen Netzwerkes rund um den Globus. Dort hinziehen, wo die potenziellen Mitarbeiter sind, lautet die Divise.
Neben einer erleichterten Personalauswahl spielen auch die Unterhaltungskosten eine nicht unwesentliche Rolle. So bewegen sich diese mit Sicherheit in niedrigeren Bereichen als im überteuerten Silicon Valley. In den USA entstehen in den Regionen Los Angeles und San Diego sowie in den Staaten Oregon, Washington, Colorado, Idaho, Massachusetts und Texas neue Hubs.
In Europa entwickelt sich München zum kommenden Apple Zentrum. Hier investiert Apple zurzeit Millionen in das neue europäische Zentrum für Chip-Design.
Ab September wieder im Büro
Den Wunsch der Mitarbeiter, weiterhin im Homeoffice arbeiten zu können, wird Apple auf Dauer nicht abblocken können. Angesichts des hart umkämpften Arbeitsmarktes, wird sich Apple mit der Entwicklung arrangieren müssen. Vor einiger Zeit wurde durch die Führungsetage angekündigt, im September zu einem 3/2-Modell zurückzukehren.
Die Woche teilt sich dabei in drei Bürotage und zwei Tage im Homeoffice auf. Mit der Entwicklung weiterer Standorte in der Nähe von potenziellen Angestellten und dem Verzicht auf eine Anwesenheitspflicht wird es Apple mit Sicherheit schaffen können, auf dem Arbeitsmarkt weiterhin gute Karten zu haben. Denn am Ende ist es für die Talente dieser Welt immer noch eine Ehre, für das wertvollste Unternehmen arbeiten zu können, nur eben nicht für jeden Preis.
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