Alle Mitglieder der EU möchten die Apple/Google Contact Tracing API einführen
Eine gemeinsame Plattform für alle Mitgliedsstaaten ist notwendig, um die Pandemie einzudämmen - darauf einigt sich die EU. Mit der Apple/Google API könnte die Entwicklung dieser Plattform so nun viel schneller gehen.

Vor kurzem haben Apple und Google in einem offiziellen Post die Früchte einer so noch nie zuvor dagewesenen Kollaboration zwischen den Smartphone-Herstellern enthüllt. Mithilfe eines gemeinsamen Aufwands wird so eine API geschaffen, welche als anonyme Methode der Rückverfolgung von auf COVID-19 positiv getesteten Personen funktionieren soll - so könnten Kontakte der letzten Tage schnell darüber informiert werden, dass sie in Kontakt mit einer positiv getesteten Person gekommen sind, woraufhin die Regierung verschiedene Optionen für diese Kontakte anbieten könnte, darunter priorisierte Tests.
Ein solches Programm ins Leben zu rufen wäre an sich kein großes Problem, allerdings besteht dann die große Frage der Privatsphäre und der Anonymität. Genau dieser Frage widmeten sich Apple und Google jedoch intensiv, und mit der API sollen anonyme Schlüssel zwischen Kontakten schon bei ein paar Metern Abstand ausgetauscht werden, welche sich immer wieder erneuern nachdem sich eine Person einem Test unterzogen hat. Dabei sind folgende Sachen wichtig anzumerken: A) die API funktioniert nativ auf Android und iOS, was den Datenaustausch zwischen jedem Gerät einfach möglich macht und eine präzedenzlose Kooperation zwischen den Unternehmen darstellt, B) dass der Status des Nutzers nur mit Kontakten und den öffentlichen Gesundheitsinstituten geteilt wird, wenn jener positiv getestet wird und C) wenn der Nutzer das Teilen explizit erlaubt. So viel lassen Apple und Google in den Schlüsselpunkten der Privatsphären-Erklärung verlauten.
EU-weite Plattform könnte stark von API profitieren
Schon bevor Neuigkeiten über diese professionelle API verkündet worden sind, ließ die Europäische Union darauf andeuten, dass nach einer Lösung in Form einer EU-weiten App gesucht wird, die gleichermaßen in jedem Land verwendet wird. Diese Lösung soll als die Pan-European Privacy Preserving Proximity Tracing (PEPP-PT) Plattform errichtet werden, welche Technologie und Daten über alle Staaten hinweg gleichmacht und eine gemeinsame Strategie für alle Mitglieder ermöglicht.
Das Problem hier war jedoch das Schaffen einer solchen Privatsphären-bewahrenden App, dessen komplexe Technologie nicht unterschätzt werden darf. Mit der neuen API von Apple und Google könnte die Suche nach einer Technologie auf diesem Level jedoch nun ein Ende haben, denn anstatt selbst von Grund auf eine Lösung zu entwickeln, scheint die EU sich nun auf die Benutzung dieser API zu berufen, so Chris Boos, Leiter des PEPP-PT Entwicklungsteams und Gründer des deutschen Geschäftsprozess-Automatisierungs Startups Arago.
Boos betont, dass die API eine Masse an Zeit für die Entwicklung der Back-End Technologie einsparen könnte, was das Entwicklerteam sich komplett auf die App selbst fokussieren lassen kann - ein kritischer Vorteil an Zeit inmitten der Pandemie. "Wir müssen uns weniger auf die Stabilität im Betriebssystem oder die Kalibrierung auf den Geräten fokussieren," so Boos. Ein wichtiger Bestandteil der bereitgestellten API ist die Dezentralisation der Nutzerdaten. Wie bereits genannt bleiben die Informationen über eine potentielle Infektion eines Nutzers auf dem Handy jenes Nutzers, bis jener explizit einwilligt diese zu teilen. Dies ist Fokus von Apple und Google in der Entwicklung gewesen - Boos teilt jedoch mit, dass ein zentralisierter Ansatz, bei dem die Daten auf einem Server gespeichert werden, noch effektiver sein könnte, ohne dabei an Respekt der Privatsphäre einzubüßen.
"Ein zentralisiertes Modell bietet noch besseres Potential, die Pandemie zu managen, ohne dabei in die Privatsphäre einzugreifen," sagt Boos. "Aber es sollte die Entscheidung des individuellen Landes sein. Man kann die selben Daten zusammen mit einem dezentralisierten Modell sammeln - es bedeutet nur, dass mehr Personen Daten an infizierte Personen übertragen müssen."
Würden genügend Nutzer mitmachen?
Trotz dieser Änderungsvorschläge würde es immer noch am meisten Sinn für die EU machen, die API aufzunehmen, sowohl wegen den hohen Standards an Bewahrung der Privatsphäre die Apple und Google vorantreiben, allerdings auch wegen der potentiell verringerten Entwicklungszeit und Möglichkeit der Standardisierung in allen Mitgliedsstaaten. So sehen das anscheinend die Länder auch selbst, denn alle der 27 EU-Mitglieder haben sich bereit erklärt, die API zu benutzen. Heute soll über den Laufe des Tages hierzu ein weiterer Bericht von der PEPP-PT Plattform herauskommen, welcher eventuell über eine finale Entscheidung informieren könnte. Trotzdem müssen Apple und Google weiter an der Transparenz der API Features für den Endnutzer arbeiten - während die technischen Daten komplett preisgegeben sind, wissen viele Nicht-Experten im technischen Feld nicht genau, worauf die API zugreifen darf und was sie tun kann. Um die größtmöglichste Breite an Nutzern mit dieser App zu erreichen, müssen die Unternehmen genauer auf die Details für das grobe Volk eingehen, was jedoch mit einer offiziellen Einführung in die PEPP-PT Plattform geschehen könnte.
Apples Mobility Trends Reports sind nun ebenfalls für den individuellen Nutzer verfügbar, um sich ein Bild von der Lage der einzelnen Länder oder Städte in Sachen Transport zu machen. Besonders für die Regierungen dieser Länder oder Städte kann dies ein großer Vorteil für präventive Maßnahmen sein.
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