Apple vs. Epic: Richterin hofft auf außergerichtliche Einigung
Am Freitag ist die zweite Prozesswoche zwischen Apple und Epic Games zu Ende gegangen. Die Richterin sieht mittlerweile Chancen auf einen außergerichtlichen Vergleich.

Die zweite von vorerst drei angesetzten Prozesswochen endete mit einer kurzen Einschätzung der vorsitzenden Richterin Yvonne Gonzalez Rogers. Diese deutete an, dass sie sich einen Vergleich der beiden Streitparteien vorstellen könne. Richterin Rogers schlug vor, dass Apple entgegen seiner bisherigen Haltung, App-Entwicklern erlauben darf, neben den provisionsbelasteten In-App-Käufen weitere Wege zu bewerben und anzubieten. Die Anti-Steering-Policy untersagt es Entwicklern bisher, auf andere Kauf- und Bezahlmöglichkeiten hinzuweisen oder weiterführende Links zu verbauen.
Apple soll Entwicklern Zugeständnisse machen
Apple möchte keine anderen Zahlungsarten zulassen, da der Konzern in solchen Fällen keine Umsatzbeteiligung erhält. Auf der anderen Seite haben es Unternehmen satt, Apple an jedem Zahlungseingang zu beteiligen. Der Leidtragende ist bisher der Nutzer. Nutzer der Kindle-App können beispielsweise keine Inhalte über die App kaufen, sondern müssen sich stattdessen über den Browser bei Amazon anmelden und die gewünschten Titel dort erwerben. Im Anschluss daran lassen sich die gekauften Titel in der App lesen.
Spotify begründete höhere Gebühren in der Vergangenheit mit der hohen Umsatzbeteiligung von Apple. Ob die Gebührenerhöhung dann tatsächlich der fehlenden Kostendeckung geschuldet ist, oder ob man hier lediglich die eigenen Gewinnmarge wieder erhöhen will, sei dahingestellt. Am Ende der Kette steht auch hier wieder der Kunde, auf dessen Schultern der Krieg geführt wird.
Ginge es nach Epic Games, dann dürften sie ihren eigenen App-Store auf Apple's Betriebssystemen anbieten. Dagegen wehrt sich Apple jedoch mit aller Macht. Sollten sich die Streithähne zumindest am Vorschlag der Richterin orientieren, dann hätte dies für Apple Auswirkungen auf die eigenen Umsatzzahlen. Epic Games könnte Alternativzahlungen anbieten und würde finanziell ebenfalls profitieren. Es ist allerdings fraglich, inwieweit sich die Nutzer vom jeweiligen Bezahlsystem überzeugen lassen und für wen sich die Öffnung schlussendlich dann tatsächlich am meisten lohne.
Bevor Epic damit anfängt, aggressiv zu werben und eventuell finanzielle Anreize für sein Bezahlsystem zu schaffen, dürfte Apple darauf drängen, auch diesen Kompromiss mit einem entsprechenden Regel- und Richtlinienwerk auszugestalten.
Richterin wirbt für Wahlfreiheit
U.S. District Judge Yvonne Gonzalez Rogers scheint von ihrer Idee derweil überzeugt zu sein. Im Rahmen der Verhandlung wurde der Sachverständiger Richard Schmalensee angehört. Schmalensee ist Wirtschaftswissenschaftler am MIT und sollte Apple's Standpunkte untermauern. Auf die Frage was so schlecht wäre, wenn Nutzer die Wahl zwischen verschiedenen Bezahlsystemen hätten, antwortete Schmalensee: "Der Umsatzstrom im App Store würde dadurch abnehmen."
Rogers sieht sich in ihrer Idee umso mehr bestätigt, da die von Apple ausgerufenen Sicherheitsstandards unter alternativen Bezahlarten nicht leiden würden. Mit einem komplett anderen App-Store auf iOS, iPadOS etc. sehe das schon anders aus. Ein Vergleich hätte für die Richterin einen weiteren Vorteil: Sollten sich die Parteien auf einen Vergleich einigen können, käme die Richterin nicht in die unangenehme Situation darüber zu urteilen, ob Apple mit seinem App-Store ein unzulässiges Marktmonopol beherrscht und damit unlautere Geschäftspraktiken einsetzt.
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