Rückkehr vom Foto-Scan? Apple könnte bald gesetzlich zum Handeln gezwungen sein
Von den Plänen, sämtliche Fotos auf kinderpornografische Inhalte zu scannen, rückte Apple nach einem Sturm der Entrüstung wieder ab. Nun könnte das Unternehmen vom Gesetzgeber zu solchen Sicherheitsmaßnahmen gezwungen werden.

Im August stand Apple im Visier sämtlicher Datenschützer und Verbraucherschutzzentralen. Der Grund: Das von CEO Tim Cook geführte Unternehmen ließ verlauten, zukünftig einen Scan sämtlicher auf dem Gerät befindlichen Fotos vorzunehmen. So sollten strafrechtlich relevante Bilder und deren Verteiler aus dem Verkehr gezogen werden (Child Sexual Abuse Material). Apples Pläne sahen vor, dass die Bilder vor dem Upload in die iCloud lokal auf dem Gerät überprüft werden.
Als Grundlage für die Überprüfung sollten bereits bekannte Bildpunkte von Dateien mit entsprechenden Inhalten genutzt werden. Apples Intention dabei erhielt durchaus Zuspruch. Allerdings bekam das Unternehmen für die geplante Durchführung die Note "mangelhaft". Nachdem sich viele Kritiker gegen die Pläne ausgesprochen hatten, ruderte Apple etwa einen Monat später zurück und stellte die gesamte Aktion vorerst auf Eis.
Gesetzliche Verpflichtung zum Scannen?
Möglicherweise könnte sich das Blatt jedoch schon bald wenden. In der EU scheint man offensichtlich darüber nachzudenken, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, durch die Anbieter von Hosting-Plattformen dazu verpflichtet werden könnten, die dort hochgeladenen Daten auf kinderpornografische Inhalte zu überprüfen. Zuvor war bereits von ähnlichen Plänen aus den USA oder auch aus Großbritannien zu hören.
Aus einer freiwilligen Leistung würde somit eine ausdrückliche Pflicht entstehen. In den ersten Beratungen geht es konkret auch um Messaging-Dienste mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, da die Verbreitung über die genannten Dienste bisher für viele Täter als äußerst sicher gilt.
Die EU-Vertreter verweisen dabei auf den Umstand, dass Europa als ein Zentrum für den Umschlag von kinderpornografischen Inhalten gilt. Angeblich werden 62 Prozent der weltweit im Umlauf gebrachten illegalen Inhalte auf Servern innerhalb der EU gespeichert. Zu der Problematik steht man bereits seit geraumer Zeit im Austausch mit Vertretern aus der Technikbranche.
Cyberexperten warnen vor Plänen
Nachdem die Pläne an die Öffentlichkeit gelangten, dauerte es nicht lange, bis besorgte Cybersicherheit-Experten harsche Kritik am Vorhaben äußerten. Vor allem die Öffnung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung dürfte am meisten Diskussionsgrundlage bieten. Ermittler fordern bereits seit Jahren einen Zugang zu bestimmten Kanälen.
Sicherheitsexperten befürchten daher im Falle einer Aufweichung erheblich mehr Schaden als verhindert wird. Bewusst integrierte Schwachstellen öffnen totalitären Staaten Tür und Tor. Unliebsame Journalisten oder Oppositionelle dürften dadurch noch leichter ins Visier von Regierungen geraten, so Ella Jakubowska von European Digital Rights (EDRi).
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