Vier europäische Länder führen die Apple/Google API ein - darunter Deutschland
In einer präzedenzlosen Kooperation zwischen Marktgiganten Apple und Google wurde eine Lösung zum anonymen Contact Tracing geschaffen - und allmählich freunden sich die Regierungen mit dieser Lösung an.

Seit nun knapp zwei Monaten steht die potentielle Einführung einer Contact Tracing App im Raum. Um die Verbreitung von COVID-19 so weit wie möglich einzugrenzen, oder jedenfalls im Auge zu behalten, würden so teilnehmende Bürger eine App auf ihrem Smartphone installieren um Daten mit anderen teilnehmenden Bürgern passiv auszutauschen. Falls dann eine Infektion von einer in Kontakt getretenen Person diagnostiziert wird, werden die Personen die zuletzt in der Nähe jener Person standen über eine potentielle eigene Infektion alarmiert und umgehend zu einem Test geraten - im besten Fall könnte jener Test dann priorisiert werden. Speziell 'könnte', da bisher noch keine solche App effektiv live gegangen ist, und auf Landesebene noch immer mit dem reinen Gedanken gespielt wird. Am effektivsten würde diese Art von Contact Tracing natürlich einheitlich über eine bestimmte Region funktionieren, aber strittig sind immer noch kritische Themen wie die Bewahrung der individuellen Privatsphäre und über welche API eine solche App funktionieren soll. Und das obwohl vor kurzem von zwei der größten Namen in Sachen Smartphones eine Kollaboration angekündigt worden ist, welche diese Problematik ganzheitlich auflösen könnte.
Die optimalste Lösung...
Eine Weitergabe von Daten dieser Art ist nicht so einfach, wie die reine Funktionalität es aussehen lassen mag. Besonders die Frage der Privatsphäre beschäftigt zurzeit viele Regierungen und deren Bevölkerungen zugleich - da ein rein anonymer Datenaustausch fast schon utopisch erscheint und reines Vertrauen auf den Verzicht der Auswertung der Daten nicht reicht, herrscht viel Besorgnis über Contact Tracing. Trotzdem ist die Methode eine der vielversprechendsten Ansätze um die Infektionsrate präventiv und zeitig zu dämmen.
Daher haben die Smartphone-Giganten Apple und Google Anfang April eine Lösung angekündigt, welche diese Utopie zur Realität machen soll - komplett anonymer Datenaustausch der manuell und explizit vom Nutzer aktiviert werden muss. Dazu wird eine API entwickelt, die mit kommenden Updates sowohl auf iOS als auch auf Android nativ funktionieren soll und sogar nativen Austausch von Daten zwischen den Betriebssystemen ermöglichen soll. Dies stellt eine einmalige Kooperation zwischen den Unternehmen auf Produktbasis dar, und die Details der entwickelten API werden offen preisgegeben um so viel Vertrauen zwischen den Herstellern und den Regierungen/Endnutzern zu schaffen.
... ist sie so perfekt, wie sie sich anhört?
Trotzdem stellten sich viele Länder noch immer bei der Entscheidung einer Einführung quer. Besonders Frankreich mochte sich nicht auf die Apple/Google API verlassen und entwickelte stattdessen eine eigene, offizielle Contact Tracing App, was jedoch laut dem französischen Parlament aufgrund der Einschränkungen von iOS - speziell der Einschränkung von Bluetooth im Ruhezustand des Gerätes - gehindert worden ist.
Und auch Deutschland selbst war zunächst skeptisch der API gegenüber eingestellt. Ähnlich wie Frankreich hat die deutsche Regierung Apple darum gebeten, Änderungen an der API vorzunehmen um den eigenen Standards der Privatsphäre gerecht zu werden; dies ist jedoch genau so wenig wie Frankreichs Vorschlag abgelehnt worden - was nicht zuletzt auf dem eigenen Versprechen der Unternehmen an die Konsumenten basiert, die API nicht auf Wunsch zu verändern. Auf diese Entwicklung hin hat die deutsche Regierung Ende April eine andere Mentalität eingenommen, und sich mit der Einführung einer unveränderten API abgefunden. Eine offizielle Entscheidung stand dann noch aus, aber laut neuen Reports hat diese nun auch Form angenommen.
Akzeptanz folgt langsam, aber sicher
Als ganzheitliche Lösung für Europa ist Mitte April das Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEPP-PT) Projekt auf EU-Ebene vorgestellt worden. Dies besteht aus einer Work-In-Progress App, die für alle teilnehmenden EU-Länder verfügbar sein wird und so eine zentralisierte Plattform zum Contact Tracing darstellt. Die Frage die die Regierungen bislang am meisten gefordert hat, war die Basis für jene App. Eine eigene API könnte so zwar entwickelt werden, würde jedoch auf die selben Schwierigkeiten treffen die auch von Frankreich und Deutschland angemakelt worden sind. Daher ist die ansprechendste Alternative noch immer die API von Apple und Google - und mittlerweile sehen dies auch die skeptischeren Mitglieder der EU so. Speziell vier Länder haben so vor kurzem ein offizielles Ergebnis verlauten lassen, was eine Einführung der Apple/Google API absieht. Reuters berichtet so über die Entscheidung von Deutschland, der Schweiz, Estland und Lettland:
"Lettlands 'Apturi Covid' (übersetzt: Stoppt Covid) ist, im Kontrast [zu Australien und Singapur] auf Technologie basierend die letzte Woche von Apple und Google veröffentlicht worden ist und mit iOS und Android auf 99% aller Smartphones weltweit laufen kann. "Die Entwickler glauben, dass der Verlass auf einen solch hohen Standard der weitflächigen Einführung von Contact Tracing Apps rund um den Globus dienen wird, und dass sich die Kompatibilität und Adoption über Zeit gesehen ebenfalls steigern werden," so die Entwickler der App selber in einem Statement. Dieser Ansatz gleicht Lettland in einer 'losen Koalition' mit anderen, ähnlich denkenden EU-Mitgliedsstaaten an - darunter Deutschland, die Schweiz und Estland - welche daran arbeiten, die nationalen Apps über Landesgrenzen hinweg zum Kommunizieren zu benutzen."
Bislang kann Apple nur eine Nummer von 22 Ländern zählen, die zu dem Einführen der API zugestimmt haben. Mit dem Anstieg an Unterstützung und dem hohen Standard für Privatsphäre die die API stellt, sollte sich diese Nummer schon in naher Zukunft jedoch drastisch erhöhen.
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